Ausbildungsumfrage 2016

Die IHK-Organisation befragt regelmäßig im Frühjahr bundesweit ihre ausbildenden Unternehmen zur aktuellen Aus- und Weiterbildungssituation.

Die hessischen IHKs haben erneut die Unternehmen zu ihren Ausbildungsplänen, -erfahrungen und -motiven befragt. An der diesjährigen Ausbildungsumfrage beteiligten sich 880 Betriebe aus Hessen, wovon der überwiegende Teil ausbildet (98,1 %). Hier die wichtigsten Ergebnisse: 

 

Die Herausforderung für Unternehmen, offene Ausbildungsplätze zu besetzen, ist weiterhin hoch.

31 Prozent der Betriebe berichten, dass sie nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten. Damit wird der Spitzenwert aus dem Jahr 2015, wo es 32 Prozent waren, fast wieder erreicht. Der Anteil liegt damit weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Zehn Jahre zuvor waren es dagegen nur 12 Prozent. Der leichte Rückgang ist u. a. darauf zurückzuführen, dass Unternehmen, die bereits in den Vorjahren Besetzungsschwierigkeiten hatten, nun möglicherweise keine Plätze mehr angeboten haben.

 

Mehr und mehr Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr.

Jedes vierte Unternehmen, das nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnte, hat in diesem Jahr keine Bewerbungen von Jugendlichen erhalten. Der häufigste Grund für die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen ist jedoch der Mangel an geeigneten Bewerbern. 71 Prozent der Betriebe haben zwar Bewerbungen erhalten, die Bewerber waren aber nicht geeignet für den angebotenen Ausbildungsplatz.

 

Die Beschäftigungsperspektiven für ausgelernte Fachkräfte verbessern sich weiter, denn die Übernahmeabsichten der Betriebe nehmen weiter zu.

Da die Fachkräfte in den Betrieben knapp werden und die Herausforderung bei der Besetzung zunimmt, steigen die Übernahmeabsichten der Unternehmen weiter an. 68 Prozent wollen alle Azubis übernehmen. Daher sinkt auch der Anteil derer, die nur einen kleineren Teil übernehmen wollen von 31 Prozent in 2010 auf nunmehr elf Prozent. Das Gastgewerbe zeigt den deutlichsten Anstieg hinsichtlich der Übernahmequoten: 54 Prozent der Betriebe wollen alle Azubis übernehmen – im Vorjahr waren es nur 47 Prozent.

 

Betriebe weiten Unterstützungsangebote für leistungsschwächere Jugendliche aus.

Mehr und mehr stellen sich Ausbildungsbetriebe auf leistungsschwächere Bewerber ein; inzwischen sind es drei Viertel der Betriebe, 2014 war es lediglich zwei Drittel. Dafür nutzen die Betriebe vor allem auch Einstiegsqualifikationen, eigene Nachhilfe im Betrieb sowie die ausbildungsbegleitenden Hilfen der Arbeitsagenturen. Für die Jugendlichen gilt es, diese Ausbildungschancen zu nutzen.

 

Gute Deutsch- und Mathekenntnisse sind Erfolgsfaktoren, um das Ausbildungsziel zu erreichen.

Inzwischen bieten 40 Prozent der Betriebe eigene Nachhilfe an. Um geeignete Bewerber für die Ausbildung zu finden, bauen die Unternehmen ihr Praktikumsangebot weiter aus und suchen verstärkt die Kooperation mit den Schulen. 28 Prozent der Betriebe haben Schulkooperationen und engagieren sich durch diese dauerhafte Zusammenarbeit in der Nachwuchsgewinnung. Besonders Betriebe aus der Industrie, der IT-Branche oder dem Gastgewerbe werden aktiver: Sie wollen ihr Engagement verstärken oder erstmalig Kooperationen mit Schulen eingehen.

 

Wer nicht wirbt, der nicht gewinnt: Unternehmen werben für ihre Ausbildungsangebote.

Wenn immer mehr Ausbildungsplätze frei bleiben, ist eines klar: Die Azubigewinnung ist kein Selbstläufer und bedarf einer auf das Unternehmen zugeschnittenen Vermarktungsstrategie. Ob Fokussierung auf spezielle Bewerbergruppen, wie junge Mütter oder Zusatzangebote für Leistungsstarke und Studienaussteiger - die Ansatzpunkte sind vielfältig und das Engagement der Unternehmen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Mehr als jedes fünfte Unternehmen bietet duale Studiengänge an und auch der Anteil an Unternehmen, die Auslandsaufenthalte während der Ausbildung ermöglichen, hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt.

 

Sprache ist das A und O für eine Ausbildung von Flüchtlingen im Unternehmen.

Für 90 Prozent der Betriebe sind ausreichende Deutschkenntnisse der jungen Flüchtlinge die Grundvoraussetzung für eine betriebliche Ausbildung. Gleich danach kommt ein gesicherter Aufenthaltsstatus, auf den drei Viertel der Betriebe ebenfalls Wert legen. Es kommt also darauf an, dass die von den IHKs geforderte 3+2-Regelung umgesetzt wird. Betriebe und Azubis erhalten dadurch Planungs- und Rechtssicherung für die Dauer ihrer Ausbildung und eine darauf folgende mindestens zweijährige Beschäftigung.

 

Gesamtergebnis zum Download auf der Internetseite des DIHK
 

Weitere Informationen: Dr. Brigitte Scheuerle
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