Kammern stärken wirtschaftliche Spitzenposition

Alle 15 Kammerorganisationen in Hessen zeigen am 17.06.2015 Flagge in Wiesbaden anlässlich ihrer dritten Gemeinschaftsveranstaltung unter dem Motto „Qualität schaffen – Qualität sichern“.

Die Kammerorganisationen der Wirtschaft und der Freien Berufe stärken die Spitzenposition der deutschen Wirtschaft. Mit dieser Einschätzung stellte sich Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka gegen wiederkehrende Diskussionen auf europäischer Ebene, die die Kammer-Organisationen und ihre Funktionen in Frage stellen. „Kammern sichern die Innovationskraft und den Fachkräftenachwuchs, die wesentliche Erfolgsfaktoren sind für die Spitzenposition der deutschen Wirtschaft. Das Engagement der Kammern werden wir auch in Zukunft nötig haben“, sagte die Ministerin bei der 3. Gemeinschaftsveranstaltung der hessischen Kammerorganisationen am 17. Juni in Wiesbaden.

Unter dem Motto „Qualität schaffen – Qualität sichern“ hatten die 15 hessischen Kammerorganisationen zu einer Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der Politik aus Land und Kommunen in das Biebricher Schloss in Wiesbaden eingeladen. Ministerin Wanka hob hervor, dass die Bundesregierung den Einsatz der Kammern sehr wertvoll erachte. „Weltweit betrachtet ist Deutschland ein kleines Land mit 1,1 Prozent der Weltbevölkerung, aber wir sind die viertstärkste Industrienation und immer noch vorne beim Export von Hitech-Gütern. Die Kammern sorgen für die beiden Erfolgsfaktoren Innovationskraft und Fachkräfte-Nachwuchs.“ Einzigartig in Deutschland sei aus ihrer Sicht die Zusammenarbeit der hessischen Kammerorganisationen. Dies erweise sich als hilfreich für den politischen Dialog von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Arbeit der Kammern müsse gesichert werden, u.a. indem Bestrebungen auf europäischer Ebene zur Einschränkung ihrer Funktionen und Leistungen entkräftet werden. So sei es bisher gelungen, die Versuche zur Abschaffung des Meisterbriefs als Qualitätsstandard zu verhindern, doch müsse man weiter wachsam bleiben.

Die Bundesregierung habe vielfältige Anpassungen bei den Ausbildungsberufen umgesetzt, auch die substanzielle Verbesserung des Meister-Bafögs oder bei der Sicherung der Honorar-Verordnung für die Freien Berufe. Wanka bekannte sich zur Stärkung der dualen Berufsausbildung und freute sich, dass auch die OECD im Vergleich zur akademischen Bildung nun endlich deren Bedeutung anerkenne. Inzwischen sei die duale Bildung zum Exportschlager geworden und viele Länder suchten, wie sie das Modell für sich nutzen können.

In Deutschland müssten sich alle der Frage stellen, was gegen sinkende Bewerber- und Vertragszahlen getan werden kann. In den alten Bundesländern habe sich die Zahl der offenen Ausbildungs-Stellen verdoppelt, in den neuen Bundesländern sogar verdreifacht. Auf 100 Azubi-Bewerber kämen bundesweit 103 Stellenangebote. In einer immer stärker technisierten Berufswelt sei die Wahl des richtigen Berufsfelds schwieriger geworden, sagte die Ministerin und verwies auf das Beispiel eines Sägewerks mit einem höheren Automatisierungsgrad als in der Fahrzeugproduktion.

Die Strategie der Bundesregierung bestehe in der Förderung der individuellen Beratung und Berufsorientierung in der Schule. Diese müssten verstärkt auch in den Gymnasien angeboten werden, „denn nicht jeder Abiturient muss studieren“. In Hessen werde dieser Ansatz ebenfalls landesweit verfolgt und werde vom Bund auch weiter gefördert. Die Ministerin lobte zudem die hessischen Modelle zur Beratung von Studienabbrechern, die unter Mitwirkung der Kammern eingeführt wurden und zur dualen Bildung hinleiteten. Positiv sei auch die bessere Durchlässigkeit im Bildungssystem geworden, so dass auch eine berufliche Qualifikation die Studienzulassung bedeutet. Allerdings würden diese Möglichkeiten noch nicht in großer Zahl genutzt, weil einige Unis beim Zugang mit Eignungsprüfungen noch Hürden errichteten.

Die Bundesbildungsministerin sprach sich für die bessere Ausstattung überbetrieblicher Ausbildungsstätten aus, die vor allem im Handwerk wichtig seien. Ab nächstem Jahr würde die technische Einrichtung dort optimiert, damit Azubis allgemein nach neuesten technischen Qualitäts-Standard ausgebildet werden, auch wenn einzelne Betriebe diese Technik noch nicht selbst eingeführt haben.

Ministerpräsident Bouffier bedankte sich bei den Kammern für die gute Zusammenarbeit mit der Landesregierung. „Das wirtschaftliche Herz unseres Landes schlägt mit voller Kraft. Hierzu leisten die Kammern, die in Deutschland eine lange Tradition im Gefüge von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben, einen wichtigen Beitrag. Der Staat muss seine Aufgaben zum Wohl der Menschen wahrnehmen und ihnen gleichzeitig die Freiheit lassen, selbst zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Wo freie und verantwortungsbewusste Menschen in Dialog treten, ist die Demokratie lebendig und wird durch bürgerschaftliches Engagement zur Gemeinschaft. Ein solcher Ort sind die Kammern, wo die Interessen der Unternehmer ebenso vertreten werden wie die der Verbraucher. Sie dienen dem Gemeinwohl und als Fundament der beruflichen Aus- und Weiterbildung übernehmen sie mit großem Erfolg und viel Engagement Verantwortung für die Zukunft unseres Landes.“

Der Ministerpräsident wies auf die Leistungen der Landesregierung für die Bildung hin, insbesondere auf das Hochschul-Ausbauprogramm, das landesweite Forschungsprogramm LOEWE und den vollständigen Einsatz der früheren Bafög-Mittel des Landes für die Hochschulen. Hessen sei das einzige Bundesland mit einem derartig großen Engagement, sagte Bouffier. Die Landesregierung unterstütze die Kammern bei den Bemühungen zur Förderung des Fachkräftenachwuchses. Im Rahmen der Novelle des Hessischen Hochschulgesetzes werde die Landesregierung im Interesse der Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung auch den Hochschul-Zugang für Menschen mit einer beruflichen Qualifizierung aus dem dualen System ohne Abitur erweitern und einen Modellversuch starten, kündigte er an. Eine entsprechende Öffnung hatten die Kammern der Landesregierung vorgeschlagen.

Vertreter der Kammerorganisationen sprachen sich für eine stärkere Wertschätzung der dualen Berufsbildung aus und erhielten darin argumentative Unterstützung von Prof. Dr. Gerhard Bosch, Arbeitsmarktforscher an der Universität Duisburg Essen. Er wies auf das „Erfolgsgeheimnis der dualen Bildung für die deutsche Wirtschaft“ hin. Im Unterschied zu anderen Ländern würden in Deutschland die Mitarbeiter mit akademischer und mit gewerblicher Bildung innerhalb des Betriebs „auf Augenhöhe“ miteinander kommunizieren. Die damit verbundenen Vorteile seien wesentlich für betriebliche Effizienz und Innovationserfolg. Bei der Betrachtung des Azubi-Bewerberrückgangs müsse man aber auch die Probleme adressieren, so die vergleichsweise niedrigeren Löhne für Fachkräfte im Vergleich zu Akademikern.

Zur Förderung der beruflichen Qualifizierung haben die hessische Landesregierung und die Kammerorganisationen vor kurzem die Aktion „ProAbschluss“ gestartet, bei der Bildungscoaches in den Betrieben Beschäftigte ohne Berufsabschluss für eine Qualifizierung bis hin zur Fachkraft gewinnen. Mathias Samson, Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium, nannte dies als Beispiel für die konstruktive Zusammenarbeit der Politik mit den Kammern in Hessen. Wo nötig, sei die Landesregierung auch bereit, die Aufgabenfelder von Kammern gegen unsachgemäße Einschränkungen zu verteidigen bzw. auszuweiten, etwa wie jüngst bei den Ingenieuren geschehen. Aus seiner Erfahrung seien Kammern auch hervorragende Partner für die Betreuung der Unternehmen im Ausland und bei der Förderung des internationalen Handels.

Brigitte Holz, Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und Vertreterin der Freien Berufe, betonte, dass Aus-, Fort- und Weiterbildung als Bestandteil einer den Verbraucher schützenden Qualitätsgarantie zu den Kernaufgaben von Kammern gehöre, um die Vertrauensstellung der Freiberufler als Experten zu sichern. Das treuhänderische Sachwalterprinzip präge die Stellung und die Tätigkeit aller freien Berufe; der Mandant, Klient, Patient oder Bauherr könne nur dank der Unabhängigkeit der Freiberufler objektiv im Sinne der besten Lösung beraten werden. Dieser elementare Bestandteil hochwertiger, freiberuflich erbrachter Dienstleistung vertrage sich nicht mit einem Preiswettbewerb, unterstrich Holz die Vorteile der Honorarordnungen im Sinne des Verbrauchers.

Bernd Ehinger, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, der die mehr als 120 Gäste in der Rotunde des Schlosses Biebrich für alle 15 Kammerorganisationen begrüßen konnte, betonte schon zu Beginn der Veranstaltung, dass die Kammern aufgrund der ihnen übertragenen Aufgaben den Staat entlasten und mit Sach- und Bürgernähe Transparenz für gesetzliche Regelungen schaffen. Ehinger dankte auch den vielen tausend ehrenamtlich engagierten Unternehmern in den verschiedenen Kammer-Funktionen und warb nochmals für den Meisterbrief als typischen Qualitätsstandard, den Kammern auch im Interesse des Verbraucherschutzes in der beruflichen Fortbildung setzen. „Bei einem Meisterbetrieb“, so Ehinger, „weiß der Kunde, hier finde ich Qualität und hier finde ich die notwendige Sicherheit bei der Ausübung des Handwerks, sei es auf dem Dach, am Auto oder bei der Installation elektrischer Anlagen.“

Prof. Dr. Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern, betonte, das IHK-Zeugnis und der Meisterbrief des Handwerks bestätigen einheitliche fachliche Qualifikationen und betriebswirtschaftlichen Sachverstand. „Ein Verbraucher kann davon ausgehen, dass er bei Fachkräften in den Betrieben die Qualität erhält, die dem technischen Entwicklungsstand und den gesetzlichen Anforderungen entspricht.“ Kammern hätten zudem bewiesen, dass sie flexibel und unbürokratisch auf neue Herausforderungen antworten. Als Beispiel nannte er die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen. Hierfür hat die IHK-Organisation eine zentrale Stelle, die IHK-FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg, geschaffen und durch die Konzentration in einer bundesweit zuständigen Institution für klare Zuständigkeit, bundeseinheitliche Gleichbehandlung und schnelle Rechtssicherheit für die Antragsteller gesorgt.

Der Sozialforscher Prof. Dr. Christoph Hommerich legte dar, dass Kammern eine zentrale Institution zur Förderung des inneren Zusammenhalts einer Gesellschaft seien. „Der Zusammenhalt einer Gesellschaft ist durch zunehmende innere Differenzierung immer schwerer zu sichern. Deswegen müssen die Kammern gestärkt werden, damit Gemeinwohlbezüge demokratisch diskutiert und in einer pluralen Gesellschaft im Sinne pragmatischer Kompromisse zusammengeführt werden können.“ Kammern seien allerdings keine Interessenverbände, auch wenn viele Mitglieder dies erwarteten. „Die zentrale Aufgabe der Kammern liegt in der Qualitätssicherung. Es geht um das fachliche Potenzial der Mitglieder und der Mitgliedsfirmen, die Prozessqualität ihrer Leistungen und um Ergebnisqualität.“ Insbesondere in Zeiten, in denen das Wissen immer schneller „abgeschrieben“ werden müsse, seien die Entwicklung und ständige Anpassung von Wissensstandards in Aus-, Fort- und Weiterbildung und eine qualitativ hochwertige Wissensvermittlung zentrale Aufträge an die Kammern.

Bei der Veranstaltung in Schloss Biebrich in Wiesbaden stellten die Kammerorganisationen in Hessen eine aktualisierte Broschüre zum Leistungspotenzial und Selbstverständnis der Selbstverwaltung der Wirtschaft vor. In Hessen repräsentieren die Kammern demnach mehr als 400.000 Unternehmen und rund 100.000 freiberuflich Tätige. Mehr als 514 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr verdeutlichen die Stärke des Wirtschaftsstandorts Hessen. Rund 2,4 Millionen Menschen finden in Unternehmen der hessischen Wirtschaft und bei Freiberuflern Arbeit, davon haben über 100.000 junge Menschen als Auszubildende eine berufliche Perspektive durch Qualifikation.

Die Broschüre „Kammern in Hessen: Freiheit in Verantwortung“ steht neben vielen weiteren Informationen auf der Internet-Seite www.kammern-in-hessen.de zum Download zur Verfügung.

Ansprechpartner: Astrid Bischoff
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